Praktikum finden: Der komplette Guide für Studierende

Marvin Klein Marvin Klein · 25. February 2026

Warum ein Praktikum mehr ist als eine Pflichtübung

Als ich im dritten Semester war, habe ich Praktikum als lästige Pflicht gesehen. Was muss halt gemacht werden, steht so in der Prüfungsordnung, also los. Ich habe mich auf drei Stellen beworben, die erste Zusage genommen und fertig.

Rückblickend war das ein Fehler. Nicht weil das Praktikum schlecht war. Aber weil ich mich nicht gefragt habe, was ich eigentlich daraus mitnehmen will. Ein Kommilitone von mir hat sich dagegen richtig Mühe gegeben, gezielt nach Unternehmen gesucht, die zu seinen Interessen passen. Sein Praktikum hat ihm einen Werkstudentenjob gebracht, und der hat ihm nach dem Studium die Tür zum Berufseinstieg geöffnet.

Seitdem empfehle ich jedem: Nimm dir für die Praktikumssuche Zeit. Es lohnt sich.

Pflichtpraktikum vs. freiwilliges Praktikum: Die Unterschiede

Bevor du loslegst, solltest du verstehen, in welcher Kategorie dein Praktikum fällt. Denn rechtlich macht das einen großen Unterschied.

Kriterium Pflichtpraktikum Freiwilliges Praktikum
Voraussetzung Steht in deiner Prüfungsordnung Eigeninitiative, kein Muss
Mindestlohn Kein Anspruch, egal wie lange Ab 3 Monaten: Mindestlohn (12,82 Euro/h in 2026)
Urlaubsanspruch Kein gesetzlicher Anspruch Ab 3 Monaten: gesetzlicher Urlaubsanspruch
Sozialversicherung Befreit (Studentenstatus bleibt) Ab 3 Monaten: sozialversicherungspflichtig
Kündigungsschutz Gering Nach 6 Monaten regulärer Schutz
Arbeitszeugnis Pflicht Pflicht

Was viele Kommilitonen nicht wissen: Freiwillige Praktika unter drei Monaten sind vom Mindestlohn komplett ausgenommen. Manche Unternehmen nutzen das bewusst aus. Ich habe von Leuten gehört, die sechs Wochen Vollzeit für 200 Euro im Monat gearbeitet haben. Legal? Ja. Fair? Eher nicht. Verhandeln lohnt sich trotzdem immer.

Praktikum finden: Die 4 besten Strategien

1. Initiativbewerbung: Der Weg, den die wenigsten gehen

Das hat mich ehrlich gesagt am meisten überrascht, als ich angefangen habe zu recherchieren: Nur etwa 30 Prozent aller Praktikumsstellen werden öffentlich auf Jobbörsen ausgeschrieben. Der Rest wird intern vergeben, über Netzwerke besetzt oder existiert als Stelle erst, wenn sich jemand bewirbt.

Das bedeutet: Wenn du dich nur auf ausgeschriebene Praktika bewirbst, siehst du 70 Prozent des Marktes nicht. Eine gezielte Initiativbewerbung bei einem Unternehmen, das dich interessiert, hat oft bessere Chancen als eine von 200 Bewerbungen auf eine Stellenanzeige.

Wie das geht: Such dir fünf bis zehn Unternehmen, die zu deinen Interessen passen. Finde heraus, wer dort für Praktikanten zuständig ist (LinkedIn hilft). Schreibe eine kurze, individuelle Bewerbung. Erkläre in drei Sätzen, warum genau dieses Unternehmen und was du beitragen kannst. Tipps zum Anschreiben findest du im Bewerbungsschreiben-Ratgeber.

2. Karrieremessen und Hochschul-Events

Jede größere Uni veranstaltet mindestens einmal pro Semester eine Karrieremesse. Der Vorteil: Du sprichst direkt mit Leuten aus den Unternehmen und hinterlässt einen persönlichen Eindruck. Das schlägt jede Online-Bewerbung.

Bereite dir vorher einen kurzen Pitch vor: Wer bist du, was studierst du, was suchst du. 30 Sekunden, nicht mehr. Und nimm Visitenkarten oder zumindest einen fertigen Lebenslauf als PDF auf dem Handy mit.

3. LinkedIn aktiv nutzen

Klingt nach Aufwand, bringt aber echt was. Folge Unternehmen, die dich interessieren. Kommentiere ab und zu einen Beitrag, nicht mit “Toller Post!”, sondern mit einem echten Gedanken. Vernetze dich mit Mitarbeitern. Viele Recruiter suchen aktiv auf LinkedIn nach Praktikanten und Werkstudenten.

4. Die Hochschul-Jobbörse

Fast jede Uni und FH hat eine eigene Jobbörse oder ein Karriereportal. Der große Vorteil: Die Konkurrenz dort ist deutlich kleiner als auf Stepstone oder Indeed, weil viele Studierende diese Portale gar nicht kennen.

Praktikum Bewerbung: Was anders ist als bei einem richtigen Job

Eine Praktikumsbewerbung muss kürzer und direkter sein als eine Bewerbung für eine Festanstellung. Recruiter wissen, dass du noch studierst und wenig Erfahrung hast. Sie erwarten keinen perfekten Lebenslauf. Was sie erwarten:

Praktikum Gehalt: Was du erwarten kannst

Art Typische Vergütung Anmerkung
Pflichtpraktikum (Konzern) 800 bis 1.800 Euro/Monat Freiwillige Zahlung, kein Rechtsanspruch
Pflichtpraktikum (KMU/Startup) 0 bis 500 Euro/Monat Oft weniger Budget
Freiwillig, unter 3 Monate 0 bis 1.000 Euro/Monat Kein Mindestlohn
Freiwillig, ab 3 Monate Mind. 12,82 Euro/h (ca. 2.050 Euro) Mindestlohn greift
Beratung, Pharma, Tech 1.500 bis 2.500 Euro/Monat Auch bei Pflichtpraktika oft gut bezahlt

Praktikum im Ausland: Lohnt sich das?

Ja, wenn du es richtig planst. Ein Auslandspraktikum fällt im Lebenslauf sofort auf und zeigt interkulturelle Kompetenz, Sprachkenntnisse und Eigenständigkeit. Alles Soft Skills, die Arbeitgeber lieben.

Die Finanzierung ist oft einfacher als gedacht. ERASMUS+ fördert Praktika im EU-Ausland mit 480 bis 750 Euro monatlich. Der DAAD hat Programme für fast jedes Land. Und Auslands-BAföG gibt es auch für Praktika, nicht nur fürs Studium.

Die Herausforderung: Die Organisation ist aufwändiger. Visum, Wohnung, Versicherung. Plane sechs Monate Vorlauf ein.

Während des Praktikums: So holst du das Maximum raus

Das Praktikum hast du. Jetzt kommt der Teil, den die meisten unterschätzen: Was du in diesen Wochen oder Monaten draus machst.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie lange sollte ein Praktikum dauern?

Mindestens zwei Monate, ideal sind drei bis sechs Monate. Bei kürzeren Praktika kommst du selten über das Einarbeiten hinaus und bekommst keine verantwortungsvollen Aufgaben.

Kann ich mehrere Praktika machen?

Klar. Zwei bis drei Praktika in verschiedenen Bereichen sind ideal, um dich zu orientieren und verschiedene Branchen kennenzulernen. Mehr als vier Praktika können im Lebenslauf allerdings den Eindruck erwecken, dass du dich nicht entscheiden kannst.

Was verdient man im Praktikum im Studium?

Das hängt von der Art ab. Pflichtpraktika haben keinen Mindestlohnanspruch und zahlen oft 0 bis 500 Euro. Freiwillige Praktika ab drei Monaten müssen den Mindestlohn zahlen, aktuell 12,82 Euro pro Stunde. Manche Branchen wie Beratung oder Tech zahlen freiwillig deutlich mehr.

Brauche ich ein Praktikum, wenn ich schon Werkstudent bin?

Ein fachlich relevanter Werkstudentenjob kann ein Praktikum ersetzen, vor allem wenn du dort über einen längeren Zeitraum arbeitest und Verantwortung übernimmst. Die Kombination aus beidem ist aber ehrlich gesagt der stärkste Lebenslauf, den du haben kannst.

Was wenn mir das Praktikum nicht gefällt?

Durchhalten, wenn es irgendwie geht. Ein abgebrochenes Praktikum im Lebenslauf wirft Fragen auf. Nutze die Zeit, um zu lernen, was du nicht willst. Das ist auch ein wertvolles Ergebnis. Wenn die Situation allerdings wirklich unzumutbar ist, dein Betreuer nicht erreichbar ist oder du keinen Arbeitsschutz hast, dann sprich mit deiner Hochschule.