Jobs für Quereinsteiger: Die besten Branchen, Gehalt & Tipps
Quereinsteiger Jobs: Warum immer mehr Unternehmen Seiteneinsteiger suchen
Der Fachkräftemangel verändert den Arbeitsmarkt grundlegend. Unternehmen, die früher ausschließlich nach perfekt passenden Lebensläufen gesucht haben, öffnen sich zunehmend für Quereinsteiger. Und das nicht aus Verzweiflung, sondern weil sie gemerkt haben: Menschen mit Berufserfahrung aus anderen Branchen bringen frische Perspektiven, übertragbare Skills und eine Motivation mit, die Routine-Bewerber oft nicht haben.
In meinen Coachings begleite ich immer mehr Menschen durch diesen Prozess. Die typische Ausgangslage: Du bist gut in dem was du tust, aber du willst etwas anderes. Oder die Branche schrumpft. Oder du merkst nach einigen Jahren: Das war nicht der richtige Weg. Die gute Nachricht: 2026 stehen die Chancen für einen Quereinstieg so gut wie nie.
Die besten Jobs für Quereinsteiger 2026
Nicht jede Branche ist gleich offen. Aber einige suchen aktiv nach Seiteneinsteigern, weil sie nicht genug Fachkräfte aus den eigenen Reihen bekommen.
| Bereich | Typische Quereinsteiger Jobs | Quereinsteiger Gehalt (Einstieg) | Einstiegshürde |
|---|---|---|---|
| IT und Webentwicklung | Junior Developer, IT-Support, QA-Tester | 36.000 bis 48.000 Euro | Bootcamp oder Portfolio reicht oft |
| Online Marketing und SEO | SEO Manager, Content Manager, Performance Marketing | 32.000 bis 42.000 Euro | Google-Zertifikate, eigene Projekte |
| Vertrieb und Sales | Account Manager, Vertriebsinnendienst | 30.000 bis 45.000 Euro + Provision | Kommunikationsstärke wichtiger als Abschluss |
| Pflege und Gesundheit | Pflegehelfer, MTA, Betreuungskraft | 28.000 bis 36.000 Euro | Umschulung 1 bis 2 Jahre, aber gefördert |
| Projektmanagement | Junior PM, Scrum Master, Agile Coach | 40.000 bis 50.000 Euro | Zertifizierung in 2 bis 8 Wochen |
| Personalwesen / HR | Recruiter, HR-Assistent, Personalentwicklung | 34.000 bis 42.000 Euro | Weiterbildung empfohlen, Empathie wichtig |
| Erziehung und Soziales | Erzieher, Sozialpädagogische Assistenz | 26.000 bis 34.000 Euro | Umschulung nötig, aber stark nachgefragt |
| Handwerk und Technik | Quereinsteiger-Programme in Elektro, SHK | 28.000 bis 38.000 Euro | Umschulung, hohe Übernahmequote |
Was die Tabelle zeigt: Die bestbezahlten Quereinsteiger Jobs liegen in IT, Projektmanagement und Vertrieb. Die niedrigste Einstiegshürde haben Vertrieb und Pflege. Die Kombination aus beidem, also gute Bezahlung bei niedriger Hürde, findet sich am ehesten im Vertrieb und im Online Marketing.
Quereinsteiger Gehalt: Was realistisch ist
Lass uns ehrlich sein: Bei einem Quereinstieg startest du meistens nicht auf dem gleichen Gehaltsniveau wie in deinem bisherigen Beruf. Der Einbruch ist aber oft kleiner als befürchtet und vor allem vorübergehend.
| Szenario | Typischer Gehaltseinbruch | Zeitraum bis altes Niveau |
|---|---|---|
| Quereinstieg in verwandten Bereich | 5 bis 15 Prozent weniger | 1 bis 2 Jahre |
| Kompletter Branchenwechsel | 15 bis 25 Prozent weniger | 2 bis 3 Jahre |
| Nach Umschulung mit Zertifikat | Einstiegsgehalt der neuen Branche | 2 bis 4 Jahre |
| Interner Wechsel im Unternehmen | Oft gar keiner | Sofort |
Für eine gute Gehaltsverhandlung als Quereinsteiger ist es wichtig, die Gehaltsspannen deiner Zielbranche zu kennen. Unsere Berufe und Gehalt Übersicht hilft dir bei der Einschätzung.
Quereinsteiger Home Office: Remote arbeiten ohne Branchenerfahrung
Viele Quereinsteiger suchen gezielt nach Home Office Positionen. Das ist realistisch, besonders in diesen Bereichen:
- Online Marketing und SEO: Nahezu komplett remote möglich. Viele Agenturen arbeiten vollständig digital
- IT-Support und Kundenservice: First-Level-Support wird häufig remote besetzt und erfordert keine IT-Ausbildung
- Virtuelle Assistenz: Organisatorische Aufgaben für Unternehmer und kleine Firmen, oft auf Freelance-Basis
- Medizinische Schreibkraft: Einer der klassischen Home-Office-Berufe für Quereinsteiger mit medizinischem Interesse
- Content Creation und Texterstellung: Wer gut schreiben kann, findet Aufträge auf Freelance-Plattformen
Mehr zu produktivem Arbeiten von Zuhause findest du in unserem Home Office Ratgeber.
So gelingt der Quereinstieg: 5 konkrete Schritte
Schritt 1: Zielbranche definieren. Nicht einfach “was anderes”, sondern konkret. Welche Branche interessiert dich? Welche deiner bisherigen Skills sind dort gefragt? Je spezifischer dein Ziel, desto gezielter deine Vorbereitung.
Schritt 2: Qualifikationslücken schließen. Was fehlt dir für die Zielbranche? Meistens ist es weniger als du denkst. Ein Google Analytics Zertifikat (kostenlos, 2 Wochen), ein Scrum Master Kurs (500 Euro, 2 Tage) oder ein Coding-Bootcamp (3 Monate) können den Unterschied machen.
Schritt 3: Transferable Skills identifizieren. Projektmanagement, Kundenumgang, Datenanalyse, Präsentationsfähigkeit. Vieles was du in deinem bisherigen Beruf gelernt hast, ist branchenübergreifend wertvoll. Schreibe eine Liste und belege jeden Punkt mit einem konkreten Beispiel.
Schritt 4: Lebenslauf und Anschreiben anpassen. Ein funktionaler Lebenslauf, der Skills statt Chronologie betont, funktioniert für Quereinsteiger besser als das klassische Format. Im Anschreiben erklärst du den Wechsel positiv: nicht weg von, sondern hin zu.
Schritt 5: Netzwerk in der Zielbranche aufbauen. LinkedIn-Kontakte, Branchenevents, Online-Communities. Viele Quereinsteiger-Stellen werden nie ausgeschrieben, sondern über persönliche Empfehlungen besetzt.
Jobs für Quereinsteiger in Leipzig und Chemnitz
Wer in Ostdeutschland nach Quereinsteiger-Stellen sucht, hat gute Karten. Der Fachkräftemangel ist hier besonders spürbar und Unternehmen sind offener für unkonventionelle Lebensläufe als in den westdeutschen Ballungsgebieten.
In Leipzig wächst die IT- und Startup-Szene rund um den SpinLab Accelerator. Quereinsteiger mit digitalen Skills finden hier Positionen, die in München oder Berlin deutlich umkämpfter wären. Chemnitz hat einen starken Maschinenbau- und Automobilzulieferer-Sektor, der aktiv Quereinsteiger-Programme anbietet.
Grundsätzlich gilt für regionale Jobsuche: Schau dir auch unsere Städte-Guides an, zum Beispiel für Berlin, München oder Nürnberg.
Förderung und Finanzierung
| Förderung | Was wird gefördert | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Bildungsgutschein (Agentur für Arbeit) | Bis 100% der Umschulungskosten + Lebensunterhalt | Beratungsgespräch beim Amt, Qualifizierungsbedarf |
| Aufstiegs-BAföG | Bis 15.000 Euro für Weiterbildungen mit Abschluss | IHK/HWK-Abschluss als Ziel |
| Qualifizierungschancengesetz | Weiterbildung während Beschäftigung, Arbeitgeber bekommt Zuschuss | Arbeitgeber muss zustimmen |
| Bildungsprämie | Bis 500 Euro Zuschuss für Kurse und Zertifikate | Einkommen unter 20.000 Euro/Jahr |
Der wichtigste Punkt: Du musst nicht arbeitslos sein, um gefördert zu werden. Das Qualifizierungschancengesetz ermöglicht Weiterbildung auch für Beschäftigte. Frag bei deiner lokalen Agentur für Arbeit nach einem Beratungsgespräch.
Erfolgsgeschichten: Wie andere den Quereinstieg geschafft haben
In meinen Coachings treffe ich regelmäßig auf Menschen, die den Sprung gewagt haben. Drei typische Muster, die immer wieder auftauchen:
Der schrittweise Wechsler: Maria, 34, arbeitete als Einzelhandelskauffrau und wollte ins Online Marketing. Sie hat abends Google-Zertifikate gemacht, dann einen Freelance-Auftrag über eine Plattform angenommen, dann einen zweiten. Nach sechs Monaten hatte sie ein kleines Portfolio und genug Selbstvertrauen, sich auf feste Stellen zu bewerben. Beim dritten Vorstellungsgespräch hat es geklappt. Gehaltlich hat sie beim Wechsel 2.000 Euro weniger verdient als im Einzelhandel, aber nach einem Jahr lag sie bereits darüber.
Die Umschülerin: Thomas, 41, war LKW-Fahrer und hatte Rückenprobleme. Die Agentur für Arbeit hat ihm einen Bildungsgutschein für eine Umschulung zum Fachinformatiker bewilligt. 24 Monate Umschulung, komplett finanziert. Heute arbeitet er als IT-Support-Techniker bei einem mittelständischen Unternehmen und verdient 42.000 Euro, mehr als je zuvor.
Die interne Wechslerin: Lisa, 29, arbeitete als Buchhalterin in einem Startup und hat intern in die HR-Abteilung gewechselt. Kein Gehaltsverlust, keine Umschulung, nur ein Gespräch mit der Geschäftsführung und drei Monate Einarbeitung. Ihr Buchhaltungswissen hilft ihr jetzt bei der Lohnabrechnung und Personalplanung.
Was alle drei gemeinsam haben: Sie haben nicht einfach gekündigt und gehofft. Sie haben sich vorbereitet, Qualifikationen aufgebaut und dann den Wechsel vollzogen. Der Quereinstieg funktioniert am besten als geplanter Übergang, nicht als spontaner Sprung ins kalte Wasser.
Die häufigsten Branchen für Quereinsteiger in Ostdeutschland
Wer Jobs für Quereinsteiger in Leipzig, Chemnitz oder Dresden sucht, hat besonders gute Karten in diesen Bereichen:
IT und Digitales: Leipzig hat sich zu einem der am schnellsten wachsenden Tech-Standorte in Ostdeutschland entwickelt. Der SpinLab Accelerator, zahlreiche Agenturen und eine wachsende Startup-Szene suchen Fachkräfte, die in westdeutschen Ballungsgebieten deutlich umkämpfter wären. Die Gehälter liegen zwar 10 bis 15 Prozent unter dem westdeutschen Niveau, aber die Mieten sind 40 bis 50 Prozent günstiger.
Pflege und Gesundheit: Der Fachkräftemangel in der Pflege ist in Ostdeutschland besonders akut. Umschulungsprogramme werden großzügig gefördert und die Übernahmequote nach der Ausbildung liegt nahe 100 Prozent.
Handwerk und Industrie: Die Automobilzulieferer in Sachsen und Thüringen bieten Quereinsteiger-Programme für Produktionsmitarbeiter an. Nach einer kurzen Anlernphase sind feste Übernahmen üblich.
Erziehung und Soziales: Erzieher und sozialpädagogische Assistenten werden überall gesucht, aber in Ostdeutschland ist die Lage besonders angespannt. Quereinsteiger-Programme ermöglichen den Einstieg in 12 bis 18 Monaten.
Die richtige Einstellung: Was erfolgreiche Quereinsteiger anders machen
Nach vielen Coachings kann ich sagen: Der Unterschied zwischen erfolgreichen und gescheiterten Quereinstiegen liegt selten an der Qualifikation. Er liegt an der Einstellung.
Erfolgreiche Quereinsteiger akzeptieren, dass sie am Anfang weniger wissen als ihre neuen Kollegen. Sie fragen nach, statt so zu tun als ob. Sie investieren die ersten Monate in intensives Lernen und bauen sich aktiv ein Netzwerk in der neuen Branche auf. Und sie kommunizieren ihren Wechsel positiv: nicht als Flucht vor dem Alten, sondern als bewusste Entscheidung für das Neue.
Was nicht funktioniert: Erwarten, dass man sofort auf dem gleichen Level einsteigt wie Leute mit jahrelanger Branchenerfahrung. Sich über niedrigere Einstiegsgehälter beschweren statt sie als vorübergehende Investition zu sehen. Oder nach drei schwierigen Monaten aufgeben, weil es anstrengender ist als erwartet.
Häufige Fragen (FAQ)
Welche Jobs eignen sich am besten für Quereinsteiger?
IT-Support, Vertrieb, Online Marketing und Pflege haben die niedrigsten Einstiegshürden. Projektmanagement und HR bieten die besten Gehaltsperspektiven. Die richtige Wahl hängt von deinen bestehenden Skills und Interessen ab.
Wie viel verdient ein Quereinsteiger?
Das Quereinsteiger Gehalt liegt beim Einstieg typischerweise 10 bis 25 Prozent unter dem Niveau erfahrener Fachkräfte in der Zielbranche. Nach 2 bis 3 Jahren ist der Unterschied meistens ausgeglichen.
Gibt es Quereinsteiger Home Office Jobs?
Ja, besonders in Online Marketing, IT-Support, Kundenservice, virtueller Assistenz und Schreibkraft-Tätigkeiten. Die Nachfrage nach Remote-Quereinsteigern steigt kontinuierlich.
Bin ich mit 40 zu alt für einen Quereinstieg?
Definitiv nicht. Die meisten erfolgreichen Quereinsteiger sind zwischen 30 und 45. Lebenserfahrung und Soft Skills sind echte Vorteile, die jüngere Bewerber nicht mitbringen. Mehr dazu in unserem ausführlichen Quereinstieg-Ratgeber.
Muss ich eine Umschulung machen?
Nicht immer. Für manche Branchen reichen Zertifikate und nachweisbare Projekte. Für regulierte Berufe wie Pflege, Erziehung oder Handwerk ist eine formale Umschulung Pflicht. Der Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit kann die Kosten komplett übernehmen.
Wie erkläre ich den Branchenwechsel im Vorstellungsgespräch?
Positiv und zukunftsorientiert. Nicht “Ich wollte weg von…” sondern “Ich will hin zu…”. Zeige, dass du dich aktiv vorbereitet hast und erkläre, welche deiner bisherigen Erfahrungen in der neuen Rolle wertvoll sind.